GSM-Ortung als Diebstahlschutz
Aus DesmopediA
Diese Anleitung beschreibt den Einbau einer Ortungseinheit auf Basis des Mobilfunkstandards GSM (Global System for Mobile Communications), die es erlaubt den Aufenthaltsort des Fahrzeugs zu bestimmen. Die Ortung kann z.B. im Falle eines Diebstahls zum Auffinden des Motorrads genutzt werden. Die Anleitung ist aber auf fast alle Kraftfahrzeuge, Boote usw. mit einer vorhandenen Bordspannung anwendbar.
Inhaltsverzeichnis |
Benötigtes Material und Kosten
Mobilfunkgerät
Als Mobilfunkgerät kann jedes beliebige Handy verwendet werden. Lediglich die unter Optionale Verwendungsmöglichkeiten genannten Merkmale, könnten weitere Features des Gerätes voraussetzen, z.B. ein GPS-Modul. Für die einfache Ortung via GSM-Standard kann jedoch ein günstiges Telefon mit Monochrom-Bildschirm verwendet werden.
Diese Anleitung bezieht sich auf das "simvalley MOBILE Mini-Handy RX-80 "Pico V.3"", welches ich zum Neupreis von 16,90€ bei PEARL erwerben konnte. Neben dem Preis ist der Vorteil des Telefons die Abmessungen. Das RX-80 Pico ist mit 5x8 cm kleiner als eine Kreditkarte, sehr leicht und dementsprechend leicht versteckt unterzubringen.
Aber auch auf den bekannten Auktionsplattformen bekommt man günstige Alternativen. Man sollte jedoch darauf achten, daß das Gerät relativ klein und funktionstüchtig ist. Außerdem ist ein funktionierender Akku von Vorteil, wenn die Batterie -von Dir oder dem Dieb- abgeklemmt wird. Wenn beim Gerät ein KFZ-Ladekabel dabei ist, spart man sich natürlich diese zusätzlich Anschaffung.
Prepaid-Karte
Um die Motorradortung in Betrieb zu nehmen, reicht eine Prepaid-Mobilfunkkarte völlig aus. Bei einer solchen Karte entsteht keine Vertragsbindung mit Laufzeit. Das Startguthaben wird meist mit der Karte und der Telefonnummer erworben und weiteres Guthaben kann bei Bedarf auf die Karte geladen werden.
Anbieter von Prepaid-Karten gibt es zur Genüge und die Zahl steigt weiter an. So bieten z.B. nun auch viele Discounter eigene Prepaid-Modelle an und unterbieten sich mit den Preisen kontinuierlich. Aufgrund der stetigen Änderungen, lohnt es sich kaum, Anbieter und Tarife in dieser Anleitung zu nennen. Es gibt jedoch zahlreiche Portale, die die Informationen stets aktuell vergleichen und so alle gängigen Anbieter übersichtlich gegenüberstellen.
Wenn die Karte ausschließlich für die hier beschriebene Mobilfunkortung verwendet werden soll, sind viele Merkmale der Verträge, wie z.B. Gesprächstaktung und Gesprächskosten, nicht relevant. Die von uns eingesetzte Karte wird ja nicht für Ihren ursprünglichen Zweck -der Telefonie- verwendet.
Natürlich kann als Alternative zur Prepaid-Karte auch eine vorhandene SIM-Karte mit Vertragsbindung eingesetzt werden. Es ist allerdings davon abzuraten, eine sogenannte Multicard -also eine zweite SIM-Karte zu einer existierenden Rufnummer- zu verwenden. Der Anreiz hier ist besonders hoch, weil viele Anbieter diese zweite Karte vergünstigt oder umsonst anbieten. Es muss jedoch beachtet werden, daß die zweite Karte sich mit der gleichen Kennung im GSM-Netz anmeldet. Eine eindeutige Zuordnung (und Ortung) kann dadurch verfälscht werden.
Für die Realisierung meiner Ortungseinheit habe ich mich für eine Aldi Talk PrePaid-Karte der MEDION AG entschieden. Diese nutz das GSM-Netz des Anbieters e-plus. Das so genannte Starter-Set kann in jeder deutschen Aldi-Filliale für 12,99€ (Stand 12/2009) erworben werden. Es beinhaltet die SIM-Karte inklusive Telefonnummer. Im Kaufpreis enthalten, sind ebenfalls 10,-€ Startguthaben. Maximal 6 Stunden nach Aktivierung der Karte kann diese in vollem Umfang genutzt werden.
KFZ-Ladekabel
Um das Mobilfunkgerät mit der Bordspannung zu speisen, ist ein so genanntes KFZ-Ladekabel nötig. Dieses wird normalerweise in Verbindung mit einem Zigarettenanzünder im PKW verwendet, in Rahmen dieser Anleitung aber für unsere Zwecke abgeändert.
Wie der Industrieverband der Mobilfunkindustrie GSM Association auf der Messe "Mobile World Congress" in Barcelona ankündigte, soll der Micro-USB-Anschluss ab 2012 für die externe Stromversorgung aller Mobilfunkgeräte zuständig sein. Wenn Du dich heute schon für ein Gerät entscheidest, was über einen Micro- oder Mini-USB-Anschluss verfügt, hat das einen weiteren Vorteil: Die KFZ-Ladekabel sind sehr günstig zu bekommen, weil es viele Anbieter gibt. Ist man auf ein markenspezifisches Kabel eines Handy-Herstellers angewiesen, kann das um einiges teurer werden!
Feuchtigkeitsschutz
Da bei der Unterbringung am Fahrzeug ein Schaden durch Feuchtigkeit kaum ausgeschlossen werden kann, empfiehlt es sich das Mobilfunkgerät gegen diese zu schützen. Eine einfache und preiswerte Möglichkeit ist die Verwendung von wiederverschließbaren Plastikbeuteln, wie sie im Haushalt Verwendung finden. Man findet diese auch unter der Bezeichnung Druckverschlußbeutel, Zip Beutel, Wiederverschlussbeutel etc.
Um dennoch eingetretene Restfeuchtigkeit zu binden, kann zusätzlich ein Beutel mit Silikat-Kügelchen im Beutel eingepackt werden. Diese Silikatpakete befinden sich in Verpackungen von Elektronik- und Lederartikeln. Weitere Namen dafür sind Silicagel, Kieselgel oder Kieselsäuregel.
Befestigungsmaterial
Um die Ortungseinheit zu befestigen, muss natürlich noch entsprechendes Befestigungsmaterial verwendet werden. Weitere Infos zur Befestigung erhälst Du unter Platzierung der Ortungseinheit in diesem Artikel.
Auswahl des richtigen Anbieters
Da die Ortung eines Fahrzeugs nicht regelmäßig durchgeführt wird, empfiehlt sich ein Anbieter, dessen Dienstleistung nur pro Ortung zu bezahlen ist. Dabei darf die einzelne Ortung auch ruhig etwas teurer sein, weil die Alternative -Anbieter mit günstiger Ortung und regelmäßiger Grundgebühr- für den Diebstahlschutz eines Fahrzeugs eher nicht relevant sind.
Außerdem sollte man darauf achten, wie die sich eigentliche Ortung des Mobiltelefons beim Anbieter gestaltet. Einige Anbieter bieten dazu eine Weboberfläche im Internet, die das geortete Handy in einer Kartenansicht darstellt. Andere arbeiten so, daß man eine SMS schreibt oder eine bestimmte Telefonnummer wählt und als Ergebnis eine Anschrift per SMS zurück bekommt. Man sollte dabei daran denken, daß man auf der akuten Suche nach seinem Fahrzeug nicht unbedingt einen mobilen Internetzugang zur Verfügung hat!
Für die Inbetriebnahme meiner Ortungseinheit habe ich mich für den Anbieter Intervista AG Deutschland und picosweb.de entschieden, da hier alle Netzanbieter unterstütz werden. Dabei handelt es sich ebenfalls um ein PrePaid-Verfahren. Man erwirbt so genannte Voucher-Codes, die man dann in der Weboberfläche in Guthaben für Handyortungen umwandeln kann. Die Codes können in vielen Webshops, an e-loading Automaten und bei eBay erworben und neuerdings auch direkt per PayPal bezogen werden.
Alternativen zum kostenpflichtigen Drittanbieter
Heute muss nicht mehr unbedingt auf Drittanbieter zurückgreifen. Einige Telefonanbieter bieten mittlerweile diesen Service ebenfalls auf ihren Internetportalen an. Zum Beispiel kann man als Kunde des Betreibers "O2" (Telefónica O2 Germany GmbH & Co. OHG) im Kundenbereich den "Handyfinder" nutzen. Auch dieser liefert eine detaillierte Kartenansicht zurück. Jedoch muss man wissen, dass eine SMS an das Mobilgerät versendet wird, die über die Ortung informiert. Ein potenzieller Dieb bekommt die erfolgreiche Ortung also ebenfalls mitgeteilt.
Eine weitere Möglichkeit sind die Ortungsdienste der Gerätehersteller, die heute teilweise angeboten werden. Hier sei als Beispiel der Hersteller "Motorola" genannt. Über die erforderliche Erstellung eines so genannten "MOTOBLUR-Kontos" ist ebenfalls eine Ortung des Geräts möglich.
Stromversorgung
Die Stromversorgung der Ortungseinheit, stellt sich als größtes Problem dar. Damit die Batterie nicht unnötig belastet wird, empfiehlt sich die Ortungseinheit nicht permanent mit dem Bordnetz zu speisen. Daraus ergeben sich jedoch weitere Fragen:
- Wie versorge ich die Ortungseinheit nur bei Bedarf mit Strom um diese scharf zu schalten?
- Wie schalte ich das Mobilfunkgerät ein, wenn die Stromversorgung anliegt?
- Wie umgehe ich die eingabe der PIN-Nummer, wenn das Telefon nicht zugänglich verbaut ist?
- Was passiert, wenn die Bordspannung abgeklemmt wird?
Diese Fragen versuche ich der Reihen nach zu klären. Sicherlich gibt es auch teilweise andere Lösungswege für die genannten Fragestellungen.
Stromversorgung/Ladestrom
Mobilfunkgerät einschalten
PIN-Eingabe umgehen
Bei allen mir bekannten Geräten lässt sich die Eingabe der PIN umgehen. Dazu gibt es in den Einstellungen des Mobilfunkgeräts einen entsprechenden Menüpunkt. Bei einigen Geräten muss jedoch ein Trick angewendet werden. Sollte keine entsprechende Einstellungsmöglichkeit bestehen, kann man meist die PIN "0000" vergeben, um den gleichen Effekt zu erzielen: Nach dem Einschalten startet das Mobiltelefon selbständig und ohne Interaktion des Benutzers.
Betrieb ohne Bordspannung
Sollte die Bordspannung wegfallen, weil der Dieb z.B. die Batterie abklemmt, dient der Akku des Mobiltelefons als Puffer. Ausschlaggebend hierfür ist der Standby-Betrieb des Geräts. Der Hersteller des hier verwendeten Telefons, simvalley MOBILE Mini-Handy RX-80 "Pico V.3", gibt z.B. eine Standby-Zeit von ca. 100 Stunden an. Die Ortungseinheit bleibt also nach Verlust der Bordspannung noch etwas länger als vier Tage aktiv.
Platzierung der Ortungseinheit
Ich werde hier keine Empfehlung dazu aussprechen wie und wo die Ortungseinheit befestigt werden soll, weil die "Unsichtbarkeit" der Einheit das eigentliche Geheimnis ist.
Sie muß gerade so gut versteckt sein, daß sie lange genug funktionstüchtig an Ort und Stelle verbleibt, bis wir oder die Polizei das verlorene/gestohlene Fahrzeug gefunden haben.
Um in dieser Anleitung nicht auf ein konkretes Beispiel verzichten zu müssen, greifen wir exemplarisch auf das vorhandene Batteriefach zurück. Wenn das Mobilfunkgerät flach genug ist, reichen hier ein paar Abstandhalter unter der Batterie, um das Handy unter dieser zu verstecken.
Montage
Optionale Verwendungsmöglichkeiten
GPS-Ortung
Wer den finanziellen Aufwand nicht scheut, kann auch ein GPS-fähiges [Global Positioning System) Mobiltelefon verwenden. Einige Anbieter von Ortungsdiensten sind in der Lage, zusätzlich zu GSM- (Global System for Mobile Communications) auch GPS-Signale zu orten. Diese sind natürlich noch genauer, denn eine exakte GSM-Ortung setzt ein flächendeckendes Funkmastennetz voraus und kann, besonders in ländlichen Gebieten, deshalb nicht so vergleichbar sein.
GPS-fähige Mobiltelefone sind allerdings nicht sehr günstig und treiben den Preis für das hier beschriebene Projekt demnach in die Höhe.
Automatische Rufannahme
Die meisten Mobilfunkgeräte verfügen über eine Funktion namens "Automatische Rufannahme". Diese wurde ursprünglich für die Verwendung des Telefons in Fahrzeugen entwickelt und bewirkt, daß das Telefon bei einem Anruf nicht signalisiert. Statt dessen wird der eingehende Anruf automatisch angenommen.
Im Zuge der Fahrzeugortung kann diese Funktion dazu genutzt werden, das Mikrofon des Telefons automatisch zu öffnen. Dadurch können im Ortungsfall Nebengeräusche oder Gespräche mitgehört werden, die eventuell einen Rückschluss auf den Aufenthaltsort zulassen.
Da das Mobilfunkgerät bestenfalls an einem versteckten Ort untergebracht ist, leidet natürlich die Empfangsqualität des Mikrofons. Um diesen Umstand zu verbessern, kann das Mikrofon vom Gerät abgeführt und an einer besseren Stelle, z.B. in der Nähe des Cockpits, positioniert werden. Um das zu erreichen, kann das Mikrofon abgeändert werden. Alternativ dazu kann man auch eine Freisprecheinrichtung verwenden. Die kabelgebundenen Varianten sind meist günstig zu erwerben.
Not-Telefon
Die naheliegendste optionale Verwendungsmöglichkeit für diese Ortungseinheit ist natürlich, die als Not- oder Ersatztelefon zu verwenden. Wenn man sein eigentliches Mobiltelefon nicht zur Hand hat, kann man mit dem vollwertigen Telefon natürlich ebenfalls telefonieren, um z.B. die Straßenwacht bei einem technischen Fahrzeugdefekt zu rufen.
Dabei ist zu beachten, daß das Telefon natürlich an einem zugänglichen Ort positioniert ist und keine technischen Änderungen, z.B. Mikrofonverlegung, vorgenommen worden sind, die das Telefonieren unmöglich machen bzw. erschweren.
LifeService der Björn Steiger Stiftung
Die Björn Steiger Stiftung e. V. hat es sich als Rettungsdienststiftung zur Aufgabe gemacht, die Rettungskette nach Unfällen deutlich zu beschleunigen. Sie ist nach Björn Steiger benannt, der 1969 nach einem Verkehrsunfall verstorben war. Siegfried und Ute Steiger, die Eltern des verunglückten Kindes, gründeten noch im gleichen Jahr diese Stiftung. [Quelle: Wikipedia.de].
Der Dienst LifeService der Björn Steiger Stiftung e. V. ist in Deutschland kostenlos und kann der schnellen Ortung einer Person nach einem Unfall dienen. Die Ortung kann sowohl über GSM als auch GPS erfolgen. Die Stiftung kooperiert auch mit dem Mobilfunkanbieter Vodafone, in dessen Shops man sich ebenfalls kostenlos registrieren kann.
Weitere Informationen findest Du auf der offiziellen Website der Stiftung.
Verweise
handyortung-vergleich.de vergleicht verschiedene Anbieter
Simvalley-Mobile - Hersteller von günstigen Mobilfunkgeräten
PEARL Agency Allgemeine Vermittlungsgesellschaft mbH - Anbieter diverser Elektronikartikel, u.A. preiswerter Mobilfunkgeräte
eBay Europe S.à r.l. - Erwerb von Voucher-Codes für piCOS Handyortung
PayPal (Europe) S.à r.l. & Cie, S.C.A. - Erwerb von Voucher-Codes für piCOS Handyortung
e-plus Mobilfunkanbieter
Quellen
Artikel Global System for Mobile Communications auf Wikipedia.de
Artikel GSM-Ortung auf Wikipedia.de
Artikel Guthabenkarte auf Wikipedia.de
Artikel Universal Serial Bus (USB) auf Wikipedia.de
Artikel Silicagel auf Wikipedia.de
Artikel Global Positioning System (GPS) auf Wikipedia.de
Artikel Björn-Steiger-Stiftung auf [http://de.wikipedia.org
GSM Association Industrieverband der Mobilfunkindustrie
Intervista AG Deutschland - Anbieter der piCOS Handyortung